Patient-Journey-Mapping: zwei Stunden, ein Flipchart, ein Team
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- vor 6 Tagen
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Aktualisiert: vor 2 Tagen
Sie müssen kein Beratungsprojekt aufsetzen, um zu erfahren, wie Patient:innen Ihre Einrichtung erleben. Zwei Stunden, ein Flipchart und die richtigen Leute im Raum reichen für den Anfang. Diese Anleitung führt Sie durch den Workshop.
Was ist eine Patient-Journey-Map?
Eine Patient-Journey-Map bildet den Weg eines Patienten oder einer Bewohnerin durch Ihre Einrichtung ab: vom ersten Anruf bis zur Entlassung oder über einen typischen Tag hinweg. Kontaktpunkte sind alle Momente, in denen die Person mit Ihrer Organisation in Berührung kommt. Für jeden davon hält die Map fest, was dort tatsächlich passiert und wie es sich anfühlt. Die Methode stammt aus dem Service-Design und hat sich im Gesundheitswesen etabliert, weil sie eine unbequeme Frage beantwortet: Wo genau verlieren wir die Menschen, die wir versorgen?
Der Unterschied zu einem Prozessdiagramm liegt in der Blickrichtung. Ein Prozessdiagramm zeigt, was Ihre Organisation tut. Eine Journey-Map zeigt, was die Patientin davon mitbekommt. Zwischen beidem liegt oft eine erstaunliche Lücke.
Wann lohnt sich das Werkzeug, wann nicht?
Das Mapping lohnt sich, wenn Beschwerden ein diffuses Muster haben, das sich keiner Abteilung zuordnen lässt. Es lohnt sich ebenso, wenn Zufriedenheitswerte sinken, obwohl die Qualitätskennzahlen stimmen. Wie so eine Lage aussieht, zeigt der Fallbericht Gute Kennzahlen, enttäuschte Angehörige. Dort hat genau dieser Blick auf den Weg der Angehörigen die Wende eingeleitet. Sinnvoll ist das Werkzeug außerdem vor Umbauten, vor neuen Leistungsangeboten oder wenn mehrere Abteilungen einander die Verantwortung zuschieben.
Verzichten Sie auf das Mapping, wenn das Ergebnis intern schon feststeht und der Workshop es nur noch bestätigen soll. Dann entsteht eine Alibiübung, und das Team merkt das sofort. Auch mitten in einer akuten Personalkrise ist der Zeitpunkt falsch. Das Werkzeug braucht Menschen, die zwei Stunden denken können, ohne auf das Diensttelefon zu schauen.
So führen Sie das Mapping in fünf Schritten durch
Planen Sie zwei Stunden, einen Raum mit Flipchart oder freier Wand, Kärtchen und Stifte. Mehr Vorbereitung braucht es nicht. Die fünf Schritte sind bewusst so angelegt, dass sie ohne Methodenvorerfahrung funktionieren.
Schritt 1: Wählen Sie einen einzigen Weg aus
Kartieren Sie einen konkreten, häufigen Weg: die Aufnahme eines neuen Bewohners, den ambulanten Ersttermin oder die Entlassung nach einer Operation. Ein Weg pro Workshop genügt. Wer alles auf einmal abbilden will, endet nach zwei Stunden mit einer Wand voller Kärtchen und ohne Erkenntnis.
Schritt 2: Holen Sie die Richtigen an den Tisch
Sechs bis acht Personen, quer durch die Berufsgruppen: Pflege, Medizin, Empfang, Verwaltung, Reinigung oder Transport. Wichtig ist, dass Menschen am Tisch sitzen, die den Weg täglich sehen, nicht nur jene, die ihn geplant haben. Wenn Sie mutig sind, laden Sie eine Angehörige oder einen ehemaligen Patienten dazu. Kaum etwas erdet eine Diskussion schneller.
Schritt 3: Gehen Sie den Weg Station für Station durch
Erzählen Sie den Weg chronologisch aus der Sicht der Person, vom ersten Kontakt an. Jeder Kontaktpunkt kommt auf ein eigenes Kärtchen: der Anruf, der Parkplatz, die Beschilderung, das Wartezimmer, das Aufnahmegespräch. Übersehen Sie die stillen Momente nicht, in denen niemand von Ihnen anwesend ist. Warten, Suchen und Formulare prägen das Erleben oft stärker als die Gespräche.
Schritt 4: Bewerten Sie das Erleben und markieren Sie die Hotspots
Für jeden Kontaktpunkt beantwortet die Runde zwei Fragen: Was passiert hier wirklich, und wie erlebt es die Person? Bewerten Sie jeden Punkt mit Plus, Minus oder Fragezeichen. Punkte mit Minus, an denen Ärger, Angst oder Ratlosigkeit entstehen, sind Ihre Hotspots. Die Hotspot-Analyse lenkt die Aufmerksamkeit auf die Momente mit dem größten Schaden für das Vertrauen. Ein Fragezeichen bedeutet: Niemand im Raum weiß, was die Person dort erlebt. Auch das ist ein Befund.
Schritt 5: Legen Sie je Hotspot eine Verbesserung fest
Wählen Sie höchstens drei Hotspots aus. Für jeden notiert die Runde eine konkrete Verbesserung, eine verantwortliche Person und einen Termin. Vereinbaren Sie gleich einen zweiten Termin nach vier bis sechs Wochen, um die Umsetzung anzusehen. Ohne diesen Schritt wird aus der Map ein hübsches Plakat im Besprechungsraum.
Das Mini-Template für Ihr Flipchart
Kontaktpunkt | Was passiert wirklich? | Erleben (+/-/?) | Verbesserungsidee | Wer, bis wann? |
Anruf zur Terminvereinbarung | Warteschleife, Rückruf nötig | - | Festes Rückruffenster einführen | Pflegedienstleitung, 15.09. |
Ankunft und Beschilderung | Eingang schwer zu finden | ? | Weg aus Patientensicht abgehen | Verwaltung, 01.09. |
Aufnahmegespräch | Strukturiert, Ansprechperson klar | + |
Welche Fehler machen das Ergebnis wertlos?
Nur die Leitungsrunde sitzt im Raum. Dann entsteht die Map aus der Vogelperspektive, und genau die kennt das Erleben nicht. Die wertvollsten Beiträge kommen von Empfang, Reinigung und Nachtdienst.
Die Runde kartiert den Soll-Prozess. Die Map lebt von Sätzen wie „eigentlich sollte, aber". Wenn niemand ausspricht, was wirklich passiert, entsteht eine Hochglanzversion ohne Erkenntniswert. Als Führungskraft schaffen Sie den Raum dafür, indem Sie die erste unbequeme Beobachtung selbst beisteuern.
Zu viele Wege auf einmal. Vier Wege in zwei Stunden bedeuten vier oberflächliche Skizzen. Ein Weg, gründlich betrachtet, verändert mehr.
Die Map bleibt ohne Konsequenz. Ein Workshop ohne Verantwortliche und Termine erzeugt Zynismus statt Verbesserung. Beim nächsten Mal kommt niemand mehr gern.
Zum Schluss die Kostenfrage, weil sie in jeder Leitungsrunde kommt: Acht Personen mal zwei Stunden ergeben zwei Personentage. Das ist der gesamte Einsatz für einen Blick auf das eigene Haus, den keine Kennzahl liefert. Einrichtungen, die das Werkzeug regelmäßig nutzen, nehmen sich etwa zweimal im Jahr einen Weg vor. So entsteht mit der Zeit ein realistisches Bild der gesamten Einrichtung, ohne dass je ein Großprojekt nötig geworden ist.
Das Mapping zeigt Ihnen den Weg Ihrer Patient:innen durch das Haus. Ob Sie selbst diesen Weg überhaupt noch wahrnehmen, ist eine eigene Frage. Ihr widmet sich der Selbstcheck Ihr Qualitätsbericht kennt Ihre Einrichtung nicht.
Wenn Sie den Workshop lieber mit Moderation von außen durchführen: 36healthcare bringt dafür Erfahrung aus Pflege, Medizin und Organisationsentwicklung an einen Tisch. Mehr zur Organisationsentwicklung



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